Preisträger 2018

 

 

Projekttitel: Triple A zur Delirprävention in der allgemeinstationären Versorgung - Aktivierung, Angehörigenintegration und Angstreduzierung

Antragsteller: Dr. phil. Manuela Bergjan, Dr. med. Christiana Franke, Armin Hauss, MScN, RN, Prof. Dr. med. Heinrich Audebert, Prof. Dr. med. Matthias Endres

Im komplexen Versorgungsalltag großer Kliniken stellt die Entwicklung eines Delirs während der stationären Behandlung älterer und/ oder kognitiv vorerkrankter Patienten eine folgenreiche Komplikation dar. Das Auftreten eines Delirs ist mit einer höheren Sterblichkeit, einer längeren Verweildauer und mehr pflegerischem Aufwand im Krankenhaus, dem Risiko einer poststationären Heimunterbringung und insgesamt höheren Kosten verbunden.
Im Gegensatz zu der Versorgung auf Intensivstationen gibt es für die Behandlung des Delirs im allgemeinstationären Bereich keine Leitlinien im deutschsprachigen Raum. Eine systematische Literaturanalyse zur Delirprävention in der allgemeinstationären Versorgung kann hier Abhilfe schaffen und eine entscheidende Grundlage für eine verbesserte Versorgung der o.g. Patienten legen.  Die Projektgruppe arbeitet daran, ein pflegerisch und ärztlich abgestimmtes Assessmentverfahren und strukturierte Maßnahmenbündel zur Delirprävention zu entwickeln und über einen konsentierten Algorithmus in die Praxis einzuführen und begleitend zu evaluieren.

Im Mittelpunkt steht die Konzeption für den Aufbau eines regelhaften multiprofessionellen Delirteams, das zunächst auf ausgewählten Stationen die Risikoeinschätzung anleitend unterstützt als auch präventiv zu nicht-medikamentösen Maßnahmen berät. Hierbei stehen Maßnahmen zur physischen und kognitiven Aktivierung sowie Angstreduzierung der Patienten im Vordergrund. Auch die aktive Integration der Angehörigen durch Vermittlung von Informationen, Aufklärung und Beratung unter gleichzeitiger Förderung der eigenen Gesundheitskompetenz ist elementarer Bestandteil der Arbeit. Unterstützend werden hierzu themenspezifische, evidenzbasierte Informationsmaterialien in Form einer Broschüre und Videoclips für Patienten und Angehörige entwickelt.

Die enge Zusammenarbeit mit der Pflegedirektion und dem Klinischen Qualitäts- und Risikomanagement sichert von Beginn an eine Übernahme der strukturierten Vorgehensweise zur Delirprävention Charité weit, die Etablierung multiprofessioneller Delirkonsildienste an anderen Standorten sowie die Überprüfung des Maßnahmenbündels mittels eines halbjährlichen Monitorings der Delirhäufigkeit.

Das vorgestellte Projekt leistet einen Beitrag, um die Charité zukünftig als „Delirpräventives Krankenhaus“ zu etablieren.

Das Projekt wird von der Stiftung Charité mit 46.156 € unterstützt.

 

 

Projekttitel: In-Pro-Sim: Interprofessionelles Simulationstraining für Notfallsanitäter/innen, Notfallpflegende und Medizinstudierende

Antragsteller: Dr. med. Dorothea Eisenmann, Dipl. wirtsch.-päd. Mareen Machner, Fabian Stroben, Uni.-Prof. Dr. med. Martin Möckel, Dr. rer. medic André Baumann

In der Versorgung akuter medizinischer Notfälle stellen die Notaufnahmen die zentrale Schnittstelle zwischen präklinischer und klinischer Versorgung dar. Neben ÄrztInnen agieren Notfallpflegende und NotfallsanitäterInnen gemeinsam in interprofessionellen Teams. Eine besondere Herausforderung liegt in der gemeinsamen Arbeit und der Notwendigkeit bei unsicherer Faktenlage zeitkritische Entscheidungen zu treffen. Die beschriebene Inzidenz für medizinische Fehler liegt deswegen in der Notaufnahme bei ca. 20% und lässt sich v.a. auf sog. „Human Factors“ (Teamarbeit, Kommunikation) zurückführen. Fast die Hälfte der Fehler wird als vermeidbar angesehen und kann durch Simulationstrainings nachweislich reduziert werden.

Die WHO propagiert, dass durch die Verbesserung interprofessioneller Zusammenarbeit medizinische Fehler vermindert werden und somit das Patientenwohl verbessert werden kann. Das in der interprofessionellen Ausbildung geforderte „miteinander, voneinander und übereinander Lernen“ wird bisher in der Praxis aber kaum umgesetzt. Seit 2016 organisieren die Gesundheitsakademie, die Notaufnahmen und das Lernzentrum der Charité gemeinsam mit der Berliner Feuerwehr notfallmedizinische interprofessionelle Simulationstrainings für Auszubildende in der Fachweiterbildung Notfallpflege, Auszubildende NotfallsanitäterInnen und Medizinstudierende. In eintägigen Simulationstrainings werden in interprofessionellen Teams verschiedene notfallmedizinische Fälle beginnend in der Präklinik bis zur Versorgung im Krankenhaus trainiert.

Im Fokus hierbei stehen die Kompetenzverbesserung in der Kommunikation und der Teamarbeit in interprofessionellen Teams sowie das gegenseitige Rollenverständnis der jeweiligen Berufsgruppen. Nach jedem Simulationsszenario erhalten die Teilnehmenden im sogenannten Debriefing (Nachbesprechung) eine umfassende Rückmeldung von einem ebenfalls interprofessionellen Instruktorenteam.

Bisher handelt es sich hierbei um ein Pilotprojekt, welches im Rahmen der Max Rubner Förderung weiterentwickelt und curricular implementiert werden soll. Die curriculare Implementierung wird zu einer vermehrten Auseinandersetzung mit interprofessionellen Inhalten (wie Kommunikation und Teamarbeit) und zu einer erhöhten Aufmerksamkeit bei den Teilnehmenden führen. Absolvierende der Trainings sollen darüber hinaus als MultiplikatorInnen auf ihre KollegInnen am Arbeitsplatz einwirken um die Patientensicherheit zu erhöhen.

Das Projekt wird von der Stiftung Charité mit 43.500 € gefördert.

 

Fotos: Charité-Neujahrsempfang 2018 / Fotos: Dirk Lässig, © Charité