BIH Johanna Quandt Professors

1.    Präambel
Bei den BIH Johanna Quandt Professorships handelt es sich um W2-Professuren auf Zeit mit einem echten Tenure Track. Sie werden von der Stiftung Charité gefördert. Mit ihnen wird das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) und der gemeinsame Forschungsraum zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Charité) und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ausgebaut. Gleichzeitig werden mit den BIH Johanna Quandt Professorships zwei neue strukturelle Ansätze verfolgt, die auch über Berlin hinaus Vorbildcharakter entwickeln sollen. Zum einen richten sich die Professuren gezielt an Frauen und stellen daher einen neuartigen Impuls zur Förderung von Chancengleichheit in den Lebenswissenschaften während der bisher noch wenig geförderten Phase der Etablierung im Wissenschaftssystem dar. Zum anderen zeichnen sich die Professuren durch eine besondere thematische Offenheit aus, indem die Professorinnen selbst die translationale und systemmedizinische Ausrichtung der Professur auch fernab der üblichen biomedizinischen Disziplinen gestalten und so innovativ das Fächerspektrum am BIH beeinflussen können.

2.    Förderziel
Mit den BIH Johanna Quandt Professorships richtet die Stiftung Charité aus Mitteln ihrer Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt Professuren für das BIH ein. Mit zwei Besonderheiten schaffen die BIH Johanna Quandt Professorships einen gezielten strategischen Mehrwert für das BIH:

  • Die Professorships richten sich in besonderer Art und Weise an Frauen, um erfahrene und innovationsfreudige Wissenschaftlerinnen1 für Spitzenpositionen des BIH zu gewinnen und so einen gezielten Beitrag zur Chancengleichheit innerhalb der Berliner Gesundheitsforschung zu leisten.
  • Die Professorships werden nicht in Bezug auf ein bestimmtes medizinisches oder naturwissenschaftliches Fachgebiet ausgeschrieben. Die Berufung erfolgt auf ein von der Bewerberin selbst gewähltes Gebiet der translationalen und systemmedizinischen Forschung. Entscheidend ist eine innovative und interdisziplinäre Ausgestaltung des mit dem Professorship verbundenen Sachgebiets zur Verbesserung der Übergänge von der Grundlagenforschung über die krankheits- und patientenorientierte Forschung bis in die Versorgungspraxis et vice versa.

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1 orientiert an der Karrierestufe „R3“ nach der Europäischen Kommission. Vgl. European Commission: Towards a European Framework for Research Careers. Brüssel 2011. Hyperlink

3.    Förderumfang
Die Förderung der Stiftung Charité dient zur Einrichtung von BIH Johanna Quandt Professorships. Bei einem Professorship handelt es sich um eine neue Professur des BIH mit der Besoldungsgruppe W2. Die Berufung auf die Professur erfolgt auf dem Weg einer gemeinsamen Berufung des BIH und der Charité (voraussichtlich als Sonderprofessur mit Kostenerstattung seitens des BIH für die mit der Professur verbundenen Forschungsleistungen)2.  Die Berufung erfolgt einmalig zeitlich befristet für die Dauer von fünf Jahren mit der Option einer anschließenden Verstetigung als Lebenszeitprofessur der Besoldungsgruppe W2 oder W3 (echter Tenure Track). Die Gesamtdauer der Befristung von fünf Jahren wird mit der erstmaligen Berufung auf Zeit festgelegt; eine spätere Verlängerung der Befristung und eine damit verbundene Verzögerung der Verstetigung als Lebenszeitprofessur wird ausgeschlossen.

Ein BIH Johanna Quandt Professorship wird von der Stiftung Charité im Umfang von jeweils bis zu 200.000 Euro pro Jahr und zeitlich befristet für eine Dauer von insgesamt fünf Jahren gefördert. Die Förderung kann zur Deckung der Bezüge in der Besoldungsgruppe W2 einschließlich aller Zusatzkosten wie Leistungszulagen, Pensionsrückstellungen und Beihilfen und zur Bereitstellung einer Grundausstattung für wissenschaftliches Personal und Sachkosten genutzt werden. Kostensteigerungen über die Jahre können nicht nachträglich bei der Stiftung Charité geltend gemacht werden, sondern sind im Vorfeld vollständig einzukalkulieren. Eine Verwaltungskostenpauschale wird nicht gezahlt.

Die Förderung durch die Stiftung Charité setzt voraus, dass das BIH – sofern erforderlich – während der ersten fünf Jahre die für eine erfolgreiche Berufung notwendige Zusatzausstattung für weiteres Personal und weitere Sachkosten aus Eigenmitteln finanziert bzw. bereits vorhandene Arbeitsplätze und Infrastrukturen bereitstellt. Vom BIH wird eine Zusatzausstattung in Höhe von bis zu 300.000 Euro pro Jahr (in Ausnahmefällen auch mehr) zugesagt, sodass die Berufungskosten für einen BIH Johanna Quandt Professorship sich in der Summe auf maximal ca. 500.000 Euro pro Jahr belaufen.

Die Förderung durch die Stiftung Charité setzt ferner voraus, dass die Professur nach Ablauf der Förderung als W2- oder W3-Lebenszeitprofessur verstetigt wird, sofern eine spätestens im vorletzten Jahr der Förderung durchzuführende Evaluation durch das BIH, die Charité und das MDC nach üblichen Standards zu einem positiven Ergebnis kommt. Dabei kann der BIH Johanna Quandt Professorship (1.) als gemeinsame Professur von BIH und Charité fortgesetzt werden (mit Kostenerstattungen seitens des BIH für die Forschungsleistungen), (2.) in eine gemeinsame Professur des MDC und der Charité überführt werden (mit Kostenerstattungen seitens des MDC für die Forschungsleistungen, beispielsweise im Rahmen der Leitung einer außeruniversitären Forschungsgruppe) oder (3.) als Universitätsprofessur in den alleinigen Haushalt der Charité übernommen werden, beispielsweise im Rahmen einer inhaltlich passenden Regelberufung oder vorgezogenen Berufung. Eine eindeutige und verbindliche Regelung, welches dieser drei Tenure Track-Modelle gewählt wird und welche Einrichtung folglich die Professur auf Zeit nach Ablauf der fünfjährigen Förderung vorbehaltlich einer positiven Evaluation etatisiert und unbefristet verstetigt, ist im Zuge der Berufungsverhandlungen zu treffen; ein Aufschub dieser Regelung bis zur Evaluation ist nicht möglich. Das gewählte Modell sollte sich am Profil der Bewerberin und an dem von ihr vorgeschlagenen Sachgebiet für die Professur orientieren und in einem verbindlichen Karriereplan für die Bewerberin festgehalten werden.

Die Förderung durch die Stiftung Charité erfolgt erst dann, wenn sowohl die Finanzierung der Zusatzausstattung durch das BIH als auch eine Verstetigung von Seiten der Charité, des MDC oder des BIH verbindlich zugesagt wurde. Die Professur wird entsprechend ihrer inhaltlichen Ausrichtung mit der fächerübergreifenden Denomination „BIH Johanna Quandt Professorship for Translational Medicine“ (deutsch: „BIH Johanna Quandt Professur für translationale Medizin“), ggf. mit dem Zusatz „with a focus on“ (deutsch: „mit Schwerpunkt auf“) unter Hinzufügung einer eventuell formal notwendigen Zuordnung zu einer Fachrichtung versehen.

Die Berufung kann beispielsweise für Klinikerinnen auch im Angestelltenverhältnis vorgenommen werden. Die Vergütung erfolgt dann analog zu den genannten Besoldungsgruppen.

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2 vgl. Gesetz über die Errichtung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung vom 9. April 2015 § 11

4.    Mittelverwendung
Für einen BIH Johanna Quandt Professorship können die Bezüge der Besoldungsgruppe W2 einschließlich aller Zusatzkosten wie Leistungszulagen, Pensionsrückstellungen und Beihilfen sowie Mittel für wissenschaftliches Personal und Sachmittel (Grundausstattung) bis zu einer Höhe von 200.000 Euro pro Jahr für die Dauer von insgesamt fünf Jahren beantragt werden.

Weitere Mittel für wissenschaftliches Personal und Sachmittel (Zusatzausstattung) für die Dauer von insgesamt fünf Jahren können vom BIH in Höhe von bis zu 300.000 Euro pro Jahr im Zuge der Berufungsverhandlungen übernommen werden. Die erforderliche Zusatzausstattung sollte von der Bewerberin bereits im Antrag an die Stiftung Charité möglichst genau angegeben werden.

Die Förderung eines BIH Johanna Quandt Professorships durch die Stiftung Charité erfolgt in Form eines pauschalisierten Betrages an das BIH oder die Charité. BIH und Charité sind in ihrer Berufungsentscheidung frei. Die Förderentscheidung der Stiftung Charité erfolgt personengebunden, das heißt unter der Auflage, dass der geförderte Professorship mit der jeweils ausgewählten Bewerberin und im beschriebenen Förderumfang besetzt wird. Das BIH und die Charité können – wie beispielsweise auch bei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Heisenberg-Professuren üblich – auf eine eigene Ausschreibung verzichten und im Anschluss an die Förderentscheidung der Stiftung Charité eine entsprechende Direktberufung vornehmen bzw. beim Land Berlin erbitten, sofern dies im Rahmen des Landeshochschulrechts möglich ist.3 

5.    Antragsberechtigte
BIH Johanna Quandt Professorships können von erfahrenen Wissenschaftlerinnen4 aus den Bereichen der translationalen, systemmedizinischen Forschung selbst beantragt werden. Die Bewerberinnen müssen ihre Berufbarkeit durch entsprechende wissenschaftliche Leistungen in den Bereichen von Forschung, Lehre und Transfer nachweisen können.

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3 vgl. Berliner Hochschulgesetz § 94 Abs. 2
4
orientiert an der Karrierestufe „R3“ nach der Europäischen Kommission. Vgl. European Commission: Towards a European Framework for Research Careers. Brüssel 2011. Hyperlink

6.    Antrag und Bewertungskriterien
Der Antrag zur Förderung eines BIH Johanna Quandt Professorships besteht aus zwei Teilen.
Der erste Teil dient dem Nachweis der wissenschaftlichen Leistungen und Qualifikationen der Bewerberin. Die Bewerberin muss nicht nur ihre Berufbarkeit unter Beweis stellen, sondern in ihrem Gebiet der Translation und Systemmedizin herausragende Leistungen in den Bereichen von Forschung, Lehre und Transfer demonstrieren.

Der zweite Teil besteht aus einem Konzept der Bewerberin für den BIH Johanna Quandt Professorship. In diesem soll nachgewiesen werden,

  • welche inhaltliche Ausrichtung der Professorship haben soll und
  • wie der Professorship mit seiner inhaltlichen Ausrichtung aus der Perspektive der Bewerberin zur Verwirklichung der Leitidee des BIH von einer translationalen und systemmedizinischen Forschung beitragen soll.

Alle Antragsunterlagen werden von der Bewerberin selbst bei der Stiftung Charité eingereicht. Wissenschaftlerinnen können und sollen sich unaufgefordert bewerben.

Bei der Antragstellung und im Falle der Förderung sind die Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und die ethischen Prinzipien des Rahmenprogramms der Europäischen Union für Forschung und Innovation (Horizon 2020) einschließlich des European Code of Conduct for Research Integrity einzuhalten. Darüber hinaus gelten die Bewilligungsgrundsätze der Stiftung Charité.

7.    Auswahlverfahren
Die Stiftung Charité schreibt die Förderung aus, nimmt die Anträge entgegen und führt anschließend ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren durch, das aus den folgenden Stufen besteht:

  • Der Vorstand des BIH gibt eine Stellungnahme ab, ob und inwieweit sich der von der Bewerberin vorgeschlagene Professorship in die bestehende Organisationsstruktur und die allgemeine Struktur- und Profilentwicklung einfügt. Diese Stellungnahme soll für eine Vorauswahl durch den Wissenschaftlichen Beirat der Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt genutzt werden.
  • Die Anträge werden einer unabhängigen Fachbegutachtung unterzogen. Das genaue Verfahren der Fachbegutachtung bestimmt der Wissenschaftliche Beirat der Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt. Er beruft in jedem Fall eine Auswahlkommission ein, die sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt:

    • der Vorstandsvorsitzende des BIH,
    • der Vorstandsvorsitzende des MDC,
    • der Dekan der Charité,
    • jeweils ein/e vom BIH, von der Charité und vom MDC zu benennende/r Wissenschaftler/in und
    • ca. drei bis fünf externe Fachexpert/inn/en (je nach Anzahl und inhaltlicher Breite der Anträge).

  • Der Wissenschaftliche Beirat der Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt trifft auf der Grundlage der Fachbegutachtung die Förderentscheidung. Die Förderung wird vorbehaltlich einer erfolgreichen Berufung der Bewerberin auf eine W2-Professur auf Zeit (einmalige Befristung von fünf Jahren) mit der Option einer anschließenden Verstetigung als W2- oder W3-Lebenszeitprofessur ausgesprochen. Die Bewilligung der Fördermittel erfolgt erst, nachdem diese Auflage erfüllt ist. 

Im Anschluss an die Förderentscheidung tragen das BIH und die Charité die Verantwortung für die gemeinsame Berufung (beispielsweise auf dem Weg des Ausschreibungsverzichts und der Direktberufung), für die anschließenden Berufungsverhandlungen und für die Erteilung des Rufs. Im Zuge der Berufungsverhandlungen ist verbindlich festzulegen, welches Tenure Track-Modell für die zu berufene Kandidatin gewählt wird und wo bzw. wie der Professorship nach Ablauf der fünf Jahre etatisiert wird. Die Ruferteilung sollte spätestens sechs Monate nach der positiven Förderentscheidung durch die Stiftung Charité erfolgen.

Die Förderung der Stiftung Charité beginnt mit dem Amtsantritt der berufenen Bewerberin. Der Amtsantritt sollte spätestens zwölf Monate nach der positiven Förderentscheidung durch die Stiftung Charité erfolgen.

8.    Fristen /Termine

31. März 2016

Antragsfrist

voraus. Oktober 2016

Bekanntgabe der Förderentscheidung durch die Stiftung Charité

9.    Ansprechpartner
Dr. André Lottmann
Stiftung Charité
Karlplatz 7
10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 450 570 - 586
Telefax: +49 (0)30 450 7570 - 959
E-Mail:   lottmann(at)stiftung-charite.de

Bewerbungsfrist am 31.03.2016 abgelaufen

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